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Umweltfreundlicher Phosphor (Politik)
Glosse von Klaus Betke, veröffentlicht am 5.7.2004 um 23:11:25

Vor kurzem haben die Betreiber deutscher Atomkraftwerke ein Sicherheitskonzept vorgelegt. Es soll vor allem Schutz gegen terroristische Angriffe auf der Luft bieten. Die Tagesschau meldete am 17. Juni 2004:  

AKW sollen durch Nebel geschützt werden

Mehrere Energieunternehmen wollen die deutschen Atomkraftwerke künftig durch eine bislang nur beim Militär eingesetzte Vernebelungstechnik vor Anschlägen aus der Luft schützen. Die vier deutschen Atomkraftwerksbetreiber teilten mit, dass sie sich auf ein gemeinsames Schutzkonzept geeinigt haben. Die Abwehrsysteme sollen von der Firma Rheinmetall errichtet werden. Ein Rheinmetall-Sprecher erklärte, im Gefahrenfall könne ein Atomkraftwerk „binnen weniger Sekunden in künstlichem Nebel verschwinden”. Der Nebel bestehe aus umweltfreundlichem Phosphor. Bis 2005 könnten alle 18 deutschen Atommeiler mit dem Schutz ausgerüstet sein.

Erfahrene Ingenieure wissen, dass es sich nicht auszahlt, in der Öffentlichkeit zu sehr das Motto „Dem Ingeniör ist nichts zu schwör” (Düsentrieb & Fuchs 1956) herauszukehren. Sympathiepunkte erntet hingegen, wer auf überlegene Techniken in der Tierwelt hinweist: „Das Prinzip des neuen Polizeiradars haben wir von den Fledermäusen abgeschaut”. Beziehungsweise von Delfinen, Kleidermotten oder Colibakterien, je nach Problemstellung. Nun also Tintenfische. Bekanntlich können diese Tiere bei Gefahr einen Farbstoff ausstoßen und damit eine undurchsichtige Wolke erzeugen. Selbst der unscheinbare Kleine Nordseekalmar (Allotheuthis subulata), obgleich in kulinarischer Hinsicht bedeutungslos, soll dazu in der Lage sein. In diesem Zusammenhang erlauben wir uns nun, auf einen Mangel des neuen Verfahrens hinzuweisen. Zwar waren Kritteleien auch aus den Umwelt- und Innenministerien des Bundes und der Länder zu vernehmen; diese gehen jedoch am Kern der Sache vorbei. Was die Mollusken nämlich seit mehreren hundert Millionen Jahren wissen: Nebel allein genügt nicht.

Dazu eine Demonstration im Labormaßstab. Ein Kernkraftwerk stand leider nicht zur Verfügung, jedoch konnte ein Modelleisenbahner unter den Kollegen mit einer überzähligen Fahrradspeichenfabrik im Maßstab 1:220 aushelfen (Abb. 1). Fahrradspeichenfabriken, so wurde schon vor über 20 Jahren vom damaligen bayerischen Ministerpräsidenten und früheren Bundesatomminister aufgedeckt, sind mindestens so gefährlich wie Atomanlagen.

Abbildung 1.

Zunächst wird das gefährdete Objekt eingenebelt (Abb. 2a; statt Phosphor benutzen wir einen ebenfalls umweltverträglichen Ersatzstoff). Angreifer gehen oft davon aus, dass sich die Beute, wenngleich dem Auge jetzt verborgen, nach wie vor an ihrem alten Platz befindet (Pfeil in Abb. 2b). Obwohl diese naive Sichtweise von einigen philosophischen Schulen abgelehnt wird, führt sie aus Sicht des Angreifers nicht selten zum Erfolg. In unserem Fall hätte das natürlich fatale Folgen.

Die klügeren unter den Kopffüßern kombinieren deshalb zwei taktische Maßnahmen: 1. Nebel, 2. rasches sich-Entfernen. Ganz anders sieht es deshalb aus, wenn das Atomkraftwerk im Schutz des Nebels um eine gewisse Strecke verschoben wird: Ein Schlag geht ins Leere (Abb. 3a). Nach Auflösung des Nebels, hier durch plötzlich einsetzenden Regen beschleunigt, wird dieser Sachverhalt besonders deutlich (Abb. 3b).

Abbildung 2.

Abbildung 3.

Wir empfehlen den Energieversorgungsunternehmen deshalb, von der Rheinmetall AG eine entsprechende Nachbesserung des Angebotes einzufordern. An die Mibella Milchwerke geht die Bitte, den Zuckergehalt ihrer Fertigprodukte zu überprüfen. Etwas weniger klebrig dürfte der Nebel unseres Erachtens ruhig sein.

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Umweltfreundlicher Phosphor | 28 Kommentare (27 inhaltlich, 1 redaktionell, 0 versteckt)
Mit Düsentrieb... (keine/1) (#2)
von Soenke Greimann
verfasst am 5.7.2004 um 21:36:43

…fahrende Atommeiler. Nicht schlecht und Freund Archetheutis Dux machts vor.

Eine andere Methode wäre natürlich, den umweltfreundlichen Phosphor (weiß, gar? - Ihr wißt: »Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen!«) jeweils dezentral einsetzbar zu gestalten. Also mehr Nebelwerfer, dafür aber die Möglichkeit, das eingenebelte immobile Objekt nicht immer direkt im Mittelpunkt der Wolke sein zu lassen.



Gran... (keine/0) (#3)
von Dirk Hüske-Kraus
verfasst am 5.7.2004 um 21:47:22

dios.

Zusammen: Grandios. Aus ein and er: Gran dios.

T as T can.



Einiges unklar (keine/2) (#6)
von Boris Lavicka
verfasst am 5.7.2004 um 22:47:17

»T as T can.«

Ich neige fast zu Triple-T, also TTTT.

Leider ist der Reporter bis Donnerstag aushäusig, hätte ich ihn doch zu gerne gefragt, womit der Schlag geführt wurde. Standardkelle? Alufliegenklatsche?

[ Bezug ]



Ich tippe auf (keine/2) (#12)
von Martin von Arndt
verfasst am 6.7.2004 um 16:59:02

Data von Jahnsson.

[ Bezug ]


Autoren-Regel Nummer 7 (oder 2 oder 3 oder 5): (keine/1) (#26)
von Klaus Betke
verfasst am 9.7.2004 um 10:57:25

Artikel nicht unter Zeitdruck einstellen. Führt in Verbindung mit Zerstreutheit z.B. dazu, dass letzte Korrekturen falscher oder unpassender Wörter aus Versehen im Editor gemacht werden statt im Nensch-Eingabefenster. Ferner zu farblich und logisch unschönen Fotos, d.h. der Löffel hätte im letzten Bild liegen bleiben sollen. Aber für eine Wiederholung war es inzwischen zu dunkel, und die Sahne war auch alle/aus.

Also der Löffel: Anderthalb mal so groß wie ein normaler Esslöffel. Nicht von Ikea. Keine Ahnung, wie man so ein Gerät nennt, aber mit deiner Gastronomieerfahrung wirst du sicher wissen, was ich meine.

[ Bezug ]



Dunkle Ahnung (keine/0) (#27)
von Boris Lavicka
verfasst am 9.7.2004 um 11:10:14

Ich glaube, wir haben es hier mit einem Saucen-Löffel zu tun. Auch Salat-Löffel wäre durchaus denkbar.* Mir als Hobby-Poeten hätte aber auch Zwergkelle gut gefallen.

*Zur verbindlichen Analyse müsstest Du mir aber das Gerät ins Linzer Labor schicken oder Fotografien zusenden, die es von mindestens drei Seiten zeigen.

[ Bezug ]



Ich kann nicht behaupten, (keine/0) (#10)
von Martin de Rungs
verfasst am 6.7.2004 um 10:32:29

…dass ich dem nicht zustimmen könnte.

[ Bezug ]


Ich höre auch mich nicht 'nein' sagen (keine/0) (#11)
von Martin von Arndt
verfasst am 6.7.2004 um 16:49:44

Tränen gelacht. V.a. die Abbildungen besaßen eine granatenmäßige Sprengkraft. Unbedingt mehr. Das Volk lechzt nach mehr. Auch das technisch unbegabte, das Unterzeichnete.

[ Bezug ]


Schwärmerei (keine/0) (#13)
von Boris Lavicka
verfasst am 6.7.2004 um 18:22:12

Klausens Humor ist so unaufdringlich, so fein. Das kommt wahrscheinlich vom zartfleischigen Räucherfisch, mit dem so dort oben die Kinder (also nicht den Hartwig) großziehen. Siehst Du?!, bei mir wird das gleich blöd-derb.

Der Neid wird mich noch mal aufnaschen…

[ Bezug ]



Deshalb legen wir ja jetzt zusammen (keine/0) (#14)
von Martin von Arndt
verfasst am 6.7.2004 um 18:54:29

Und darauf freue mich mich.

[ Bezug ]


ein "i" vergessen? (keine/0) (#15)
von Hartwig Kinder
verfasst am 6.7.2004 um 19:02:42

beim legen?

[ Bezug ]


Gemeinsam sind wir noch lustiger (keine/0) (#16)
von Boris Lavicka
verfasst am 6.7.2004 um 19:11:33

Naaa, legen passt scho'!

Sorgen macht mir das »mich mich«. Dürfte ein leichtes Ring-Syndrom sein.

[ Bezug ]



Wieso wieso? (keine/0) (#17)
von Martin von Arndt
verfasst am 6.7.2004 um 19:33:36

Ist ist nur angewandte Sprachforschung. Aus der Grammatik der polynesischen und melanesischen Sprachgruppen, mit denen ich mich derzeit beschäftige, die insistierende Bedeutung durch Verdopplung ausdrücken drücken.

Z.B.: Hula Hula. Oder Bora Bora.

Gibt's im Deutschen ja auch.
Z.B.: Ojeoje. Oder: Eieiei.

Und ich freu mich mich halt halt.


[ Bezug ]



Stimmstimmt (keine/0) (#18)
von Boris Lavicka
verfasst am 6.7.2004 um 19:40:04

Das habe ich zuzugeben. Hähä, hähä (ein Vierfacher!)

[ Bezug ]


ballaballa (5.00/3) (#19)
von Tanja Hanna Luhmann
verfasst am 6.7.2004 um 20:08:55

wo das wohl her stammt?

wahrscheinlich doch aus england. tony blair hat heute ja vermutet, dass die irakischen massenvernichtungswaffen verlegt worden sind. sonst wären sie ja noch da.
da frag ich mich doch: wer verlegt denn so was? hulk?

[ Bezug ]



Hm (keine/1) (#20)
von Boris Lavicka
verfasst am 6.7.2004 um 20:23:42

Als ich ein Knabe war, tönte häufig aus dem Nachfolger des Volksempfängers: Babybaby, ballaballa! So schrie ein freundlicher junger Herr seine lebensbejahenden Ansichten heraus.

Ballare = tanzen, wackeln

Wackelbirne halt.

Man kann auch sehr große Sachen verlieren. Ich weiß aus gut informierter Quelle, dass die Alitalia® heute noch 2 Jets vermisst und angestrengt sucht. Ohne nennenswerten Erfolg.

[ Bezug ]



Auch Blofeld®... (keine/2) (#22)
von Soenke Greimann
verfasst am 6.7.2004 um 20:38:09

…will nicht alles mit dem Kleinstunterseeboot erledigen… Wenn Du mal fünf Wochen mit einer Angorakatze in einer Blechbüchse durch die sieben Weltmeere zu Deinem noch geheimeren Ersatzstützpunkt™ geschippert bist, weil Bond® Dir Deinen nicht mehr ganz so geheimen Stützpunkt™ auseinandergenommen hat (es ist immer so, am Ende explodiert der ganze Mumpitz ja), dann weißt Du, daß die Catsan®-Reklame lügt!

[ Bezug ]


Verlegen... (keine/0) (#21)
von Soenke Greimann
verfasst am 6.7.2004 um 20:31:29

…kann man nicht nur Zeitungen und Schlüssel, sondern auch Waffensysteme oder Truppenteile. Das englische Äquivalent lautet to deploy. Wir sind bei der E-3A die Flugzeuge früher auch nicht „nach Griechenland geflogen”, sondern wir teilverlegten für 2 Wochen nach FOB Aktion.

Ich habe meine Schlüssel teilverlegt… Da gehört doch schon fast wieder ein Smiley hin, oder?

[ Bezug ]



Nicht aus Engeland, sondern aus Berlin! (keine/0) (#23)
von Gerhard Lawitzky
verfasst am 6.7.2004 um 21:01:35

Boris hat recht, und unser Deutschlehrer hat es uns vorgelesen als Abschreckung vor dieser schrecklichen englischen „Beat-Musik”:

Oh Baby Baby Balla Balla
Oh Baby Baby Balla Balla
Oh Baby Baby Balla Balla
Oh Baby Baby Balla Balla

Wohl wollte er uns das „Gekreische” der Beatles in „She loves you, Yeah, Yeah, Yeah” vorführen. In Wirklichkeit stammt das vom Lehrer zitierte Lied aus der Stadt von Kleist:

Das Lied heisst „Balla-Balla” und wurde 1965 von den Rainbows aus Berlin gesungen.

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Pidgin English (keine/0) (#24)
von Gerhard Lawitzky
verfasst am 6.7.2004 um 21:08:17

Wenze dabei noch zufällig was über das Pidgin Chinese als Lingua franca zwischen der poly- und melanesischen Inselnsprachvielfalt herausfindest, am besten noch im Vergleich zu Pidgin Englisch als Handelssprache und jener künstlichen Karibik- Lingua-franca, deren Name mir entfallen, die ein Freund aber noch spricht,

dann wär mir das ein Wunschthema.

[ Bezug ]



Südsee (keine/0) (#28)
von Hildegard K. Thies
verfasst am 19.7.2004 um 22:37:21

Man braucht gar nicht bis in die Südsee zu gehen, das gibt es auch im Italienischen oder Französischen. È carina carina, wenn jemand sehr nett ist. Oder il est beau beau! wenn jemand sehr schön ist.

[ Bezug ]


Umweltfreundlicher Phosphor... (keine/0) (#4)
von Dirk Hüske-Kraus
verfasst am 5.7.2004 um 21:51:06

kann ja nur heißen „Verbrennung eben desselben.”

Zu Phosphorpentoxyd, welches mit H2O Orthophosphorsäure bildet. Keine starke Säure, aber wer sie schon einmal in den Augen hatte....

Anm.: Das Ding würde ich noch etwas auspolstern, ins Englische übersetzen und dem „Journal” schicken. Du weißt schon. Dem Journal.



Titanic... (keine/1) (#9)
von Soenke Greimann
verfasst am 6.7.2004 um 08:15:11

…hätte vermutlich auch was davon. Ein netter Einseiter…

Aufseits, Abseits, Vorbeiseits, Hinseits, Herseits und Vorbeiseits! Fertig seid's!

[ Bezug ]



Was soll ich sagen: (keine/0) (#5)
von Silke M. Reiner
verfasst am 5.7.2004 um 22:27:28

Erste Sahne!



Als Seemann (keine/0) (#7)
von Hartwig Kinder
verfasst am 6.7.2004 um 00:24:52

hatte er seine 18 Karat,

und nach der dritten Reise, da war schon Maat.

Und jeder Kaptain war hinter ihm her,

doch fiel ihm das Wechseln so furchtbar schwer.



Das geht doch ganz einfach (keine/1) (#8)
von Marcus Eckert
verfasst am 6.7.2004 um 01:39:51

Die Fahrradspeichenfabrik muss gar nicht mobil machen. Der herannahende Pilot wird ganz einfach über Zerrspiegel so in die Irre geleitet, dass eine geistige Vernebelung nur noch auf die anstoßenden Politiker zurückfällt.

Als kleines Dankeschön, auch um die Moral des Piloten zu stärken, wird am vorgetäuschten Detonationspunkt ein Ersatzziel aufgebaut, ein alter Bauernhof vielleicht, einschließlich zahlreicher Kameras, so dass in den Nachrichten das dann erfolgreich getestet Modell als non plus ultra die Lösung verkauft werden kann, den Wirtschaftsstandort Deutschland zu sichern.



Späte Klatsche (keine/0) (#25)
von Krischan Lehmann
verfasst am 7.7.2004 um 01:37:04

Kann mich den übrigen Laudatoren nur anschließen. Habe mich über fränkische Maßstäbe hinaus amüsiert.



Umweltfreundlicher Phosphor | 28 Kommentare (27 inhaltlich, 1 redaktionell, 0 versteckt)

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