AKW sollen durch Nebel geschützt werden
Mehrere Energieunternehmen wollen die deutschen Atomkraftwerke künftig durch eine bislang nur beim Militär eingesetzte Vernebelungstechnik vor Anschlägen aus der Luft schützen. Die vier deutschen Atomkraftwerksbetreiber teilten mit, dass sie sich auf ein gemeinsames Schutzkonzept geeinigt haben. Die Abwehrsysteme sollen von der Firma Rheinmetall errichtet werden. Ein Rheinmetall-Sprecher erklärte, im Gefahrenfall könne ein Atomkraftwerk „binnen weniger Sekunden in künstlichem Nebel verschwinden”. Der Nebel bestehe aus umweltfreundlichem Phosphor. Bis 2005 könnten alle 18 deutschen Atommeiler mit dem Schutz ausgerüstet sein.
Erfahrene Ingenieure wissen, dass es sich nicht auszahlt, in der Öffentlichkeit zu sehr das Motto „Dem Ingeniör ist nichts zu schwör” (Düsentrieb & Fuchs 1956) herauszukehren. Sympathiepunkte erntet hingegen, wer auf überlegene Techniken in der Tierwelt hinweist: „Das Prinzip des neuen Polizeiradars haben wir von den Fledermäusen abgeschaut”. Beziehungsweise von Delfinen, Kleidermotten oder Colibakterien, je nach Problemstellung. Nun also Tintenfische. Bekanntlich können diese Tiere bei Gefahr einen Farbstoff ausstoßen und damit eine undurchsichtige Wolke erzeugen. Selbst der unscheinbare Kleine Nordseekalmar (Allotheuthis subulata), obgleich in kulinarischer Hinsicht bedeutungslos, soll dazu in der Lage sein. In diesem Zusammenhang erlauben wir uns nun, auf einen Mangel des neuen Verfahrens hinzuweisen. Zwar waren Kritteleien auch aus den Umwelt- und Innenministerien des Bundes und der Länder zu vernehmen; diese gehen jedoch am Kern der Sache vorbei. Was die Mollusken nämlich seit mehreren hundert Millionen Jahren wissen: Nebel allein genügt nicht.
Dazu eine Demonstration im Labormaßstab. Ein Kernkraftwerk stand leider nicht zur Verfügung, jedoch konnte ein Modelleisenbahner unter den Kollegen mit einer überzähligen Fahrradspeichenfabrik im Maßstab 1:220 aushelfen (Abb. 1). Fahrradspeichenfabriken, so wurde schon vor über 20 Jahren vom damaligen bayerischen Ministerpräsidenten und früheren Bundesatomminister aufgedeckt, sind mindestens so gefährlich wie Atomanlagen.
 |
| Abbildung 1. |
Zunächst wird das gefährdete Objekt eingenebelt (Abb. 2a; statt Phosphor benutzen wir einen ebenfalls umweltverträglichen Ersatzstoff). Angreifer gehen oft davon aus, dass sich die Beute, wenngleich dem Auge jetzt verborgen, nach wie vor an ihrem alten Platz befindet (Pfeil in Abb. 2b). Obwohl diese naive Sichtweise von einigen philosophischen Schulen abgelehnt wird, führt sie aus Sicht des Angreifers nicht selten zum Erfolg. In unserem Fall hätte das natürlich fatale Folgen.
Die klügeren unter den Kopffüßern kombinieren deshalb zwei taktische Maßnahmen: 1. Nebel, 2. rasches sich-Entfernen. Ganz anders sieht es deshalb aus, wenn das Atomkraftwerk im Schutz des Nebels um eine gewisse Strecke verschoben wird: Ein Schlag geht ins Leere (Abb. 3a). Nach Auflösung des Nebels, hier durch plötzlich einsetzenden Regen beschleunigt, wird dieser Sachverhalt besonders deutlich (Abb. 3b).
 |
| Abbildung 2. |
 |
| Abbildung 3. |
Wir empfehlen den Energieversorgungsunternehmen deshalb, von der Rheinmetall AG eine entsprechende Nachbesserung des Angebotes einzufordern. An die Mibella Milchwerke geht die Bitte, den Zuckergehalt ihrer Fertigprodukte zu überprüfen. Etwas weniger klebrig dürfte der Nebel unseres Erachtens ruhig sein.