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Diskurse mit System
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Nensch ist interdisziplinär: Veröffentlicht werden journalistische, wissenschaftliche und literarische Texte. Sie schreiben und diskutieren gern? Dann sind Sie hier richtig. Lesen Sie, wie Nensch funktioniert.
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Gesellschaft Du und ich. Und alle anderen. |
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Das Streben nach Liebe (Gesellschaft)
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Glosse von Doris Klöden, veröffentlicht am 22.9.2008 um 23:46:21
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Es ist Montag. Mein Sohn klebt an mir, macht die Augen zu und tut so, als wäre er nicht da. So könnte ich ihn ja nur schwer bei der Tagesmutter lassen. Er ist ja gar nicht hier und vielleicht merkt es Mama nicht, wenn sie mit fast 12kg immer noch um den Hals hängend nach Hause kommt und sich ins Bett legt, weil sie krank ist. Er täuscht sich. Ich merke es wohl und pflücke ihn so langsam von mir ab. Mit schwer enttäuschtem Gesicht nimmt er es hin. Ein kleiner Weltschmerz, der schnell vorüber ist. Als ich vor der Tür stehe, höre ich ihn schon wieder lachen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Ja, mein Schatz. Jetzt nimmt man dir dein Kindsein noch ab. Werd mal 20 Jahre älter, dann wird dich jede Frau für genau dieses Verhalten ein mieses Schwein schimpfen.
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SPAM! (Gesellschaft)
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Glosse von Boris Lavicka, veröffentlicht am 3.1.2008 um 10:18:57
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Erstaunlicherweise echauffiert sich ein Großteil der Inhaber elektronischer Postfächer über die verschwenderische Fülle an weitgehend nutzlosen Botschaften. Da bietet uns ein Herr aus den Slums von Lagos Unsummen Geldes ohne nennenswerte Gegenleistung an, dort nimmt man sich unsere sexuellen Unzulänglichkeiten sehr zu Herzen, und manchmal werden wir von augenscheinlich Gemütskranken sogar aufgefordert, eine E-Mail an mindestens ein Dutzend Adressaten weiterzuleiten, was sofortige Glückseligkeit verspricht. Im Fall der Unterlassung droht man allerdings mit Zahnfleischschwund oder dauerhaftem Siechtum. Lästig!
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An alle. (Gesellschaft)
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Gedicht von Hans-Joachim Griebe, veröffentlicht am 27.8.2007 um 10:40:38
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Ist je ein Mensch zur Welt gekommen,
der dies am Ende nicht bedauert hätte?
Zuerst den Mont Ventoux erklommen,
dann nur noch Nanga Parbats rasch erstürmt.
Zuerst dem Großen, Ganzen nachgesonnen,
dann Waren, Dinge, Pflichten aufgetürmt:
Es endet, endet alles auf der Schädelstätte.
Du leidest. Stirbst. Und schreist: „Noch fünf Minuten!
Noch fünf Minuten, bitte, leben!”
Die guten
Krankenschwestern trösten dich.
Und bringen frisches Bettzeug
für den nächsten. Dann bist du tot.
„Noch fünf Minuten!”, schreit er, der im Leben
Millionen Fünfminuten hingegeben
für nichts: Prospekte lesen, Autokauf und Geld und Sat,
und was der Markt ansonsten noch zu bieten hat.
Nun ist er tot. Die noch nicht tot sind, machen weiter,
verschwenden Fünf-Minuten-Weise heiter
ihr bisschen Leben.
Streben, sterben, kaufen, streben.
Kein Mensch ist je zur Welt gekommen,
der dies am Ende nicht bedauert hätte.
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Doping, Doping, Doping (Gesellschaft)
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Essay von Ralf Poschmann, veröffentlicht am 26.5.2007 um 14:36:50
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Zur Zeit schwappt eine Welle der Empörung durch Deutschland, weil im Radsport gedopt wurde und vermutlich immer noch wird. Heute hat sich gar die Bundeskanzlerin zu diesem Thema geäußert.
Welche Gründe werden gegen Doping ins Feld geführt:
- Chancenungleichheit
- Gefährdung der Gesundheit durch medizinisch nicht notwendige Eingriffe
- Betrug am Publikum
- Schlechte Vorbildwirkung
- Gesetzliche Verbote
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Elegie (Gesellschaft)
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Gedicht von Hans-Joachim Griebe, veröffentlicht am 28.4.2007 um 12:58:35
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Noch nichts erreicht und schon am Ende.
Noch kein Verdienst um irgendwas.
Am Morgen schon: Erschöpft die Hände.
Jetzt schon? Fin de siècle? Lebenshass?
Vorbei, dass dir noch etwas zugewunken.
Nur selten eine Wallung. Angst? Noch kaum.
Ein Gleiten, stumm, nach unten.
Ein stiller Fall in einen dunklen Raum.
Nie wiesen Zeichen dir die Richtung.
Gezeichnet bist du selbst.
Was bleibt? Das Horchen in der Stille: Dichtung.
Und das verfluchte Geld.
Schweigend, fallend, lebst du in dir fort,
zuckst müde Gesten, äußerlich, ein Dies und Das:
Kein Götze löst den Bann, kein Horenwort:
Fin de siècle? Jetzt schon Lebenshass?
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Versuch über das Glück (Gesellschaft)
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Glosse von Egon Tenert, veröffentlicht am 11.3.2007 um 15:39:35
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Schon lange bevor mich ein Unfall an den Rollstuhl gefesselt hat, habe ich es immer mit Erich Kästner gehalten, wenn er auf die Frage: „Wo bleibt das Positive?” entgegnete, „Ja weiß der Teufel wo das bleibt!” Aber auch Mephisto selbst antwortet wiederum auf die Frage „Hast du mir weiter nichts zu sagen? Ist auf der Erde ewig dir nichts recht?” nur Folgendes: „Nein, Herr, ich find´ es dort, wie immer, herzlich schlecht!”
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